„JELLA“ ist eine Einrichtung für 14-21jährige Mädchen für entwicklungs- und verhaltensgestörten Mädchen die einen riskanten oder bereits abhängigen Konsum von Suchtmitteln haben. Die Stuttgarter Einrichtung schließt die Lücke zwischen Jugendhilfe, Kinder- und Jugendpsychiatrie und Suchthilfe. Der bwlv engagiert sich damit erneut im Bereich der Jugendhilfe.
"Heroin ist so ne rauschende Wärme, die in einen eindringt. In Wirklichkeit frisst es dich von innen auf und du merkst es nicht einmal". So eine 18-jährige Drogenabhängige., die in JELLA , der pädagogisch-therapeutischen Mädchenwohngruppe lebt, zusammen mit 5 anderen Mädchen, die aus ganz Deutschland kommen, um in der bundesweit einmaligen Einrichtung Hilfe zu finden. Die bewusst kleine und überschaubare Einrichtung mit nur sechs Betreuungsplätzen bietet die Möglichkeit für einen intensiven 24-stündigen Betreuungsrahmen. Das ist auch notwendig, da die Mädchen da die Mädchen meist traumatisiert sind, selbstverletzendes und aggressives Verhalten zeigen, bis hin zu suizidalen Gedanken. In enger Kooperation mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie arbeitet ein Team aus Pädagoginnen, Sozialpädagoginnen und einer Psychologin. Neben mädchenspezifischen Therapieangeboten, stehen Entspannungsverfahren, Erlebnispädagogik, wie Klettern und Kanufahren, Schuldnerberatung, aber auch alltagspraktische Begleitung auf dem Programm. Die Betreuungsdauer ist sehr individuell und beträgt durchschnittlich zwischen neun und zwölf Monaten. Danach kehren die Mädchen in ihr bisheriges Umfeld oder eine Jugendhilfeeinrichtung zurück. Für alle Mädchen gibt es die Möglichkeit einer ambulanten Nachsorge am Wohnort.
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Zielgruppenerweiterung und Angebotsdifferenzierung
Anlässlich des 10-jährigen Bestehens von JELLA möchten wir auf die Erweiterung der bisherigen Zielgruppe hinweisen. Wir nehmen nun auch Mädchen mit eigenständigen (kinder- und jugend-) psychiatrischen Störungen, insbesondere posttraumatischen Belastungsstörungen, ohne erwiesene Drogenproblematik auf.
Als wir 2001 die pädagogisch-therapeutische Mädchenwohngruppe JELLA in Stuttgart als Modellprojekt des Landes Baden-Württemberg eröffneten, richtete sich unser Angebot an die Zielgruppe der 14- bis 21-jährigen Mädchen mit einer Suchtproblematik. Unser Anliegen war es, die Betreuungslücke zwischen Jugendhilfe und Suchthilfe zu schließen. Konzipiert haben wir eine mädchen- und altersspezifische Einrichtung der Erziehungshilfe auf der Basis einer Synthese von strukturierter Alltagsgestaltung, Pädagogik und Suchttherapie.
Eine weitere zentrale Schnittstelle wurde unmittelbar nach Eröffnung deutlich: die zur Kinder- und Jugendpsychiatrie. Von Anfang an liegen bei einem Großteil der betreuten Mädchen Entwicklungs-, Verhaltens und Persönlichkeitsstörungen verbunden mit riskantem Konsum psychoaktiver Substanzen vor. Traumafolgestörungen, mit den bekannten Symptomatiken wie selbstverletzendem Verhalten, Impulsdurchbrüchen, Ängsten, Konzentrations- und Schlafstörungen sind eher die Regel als die Ausnahme.
Das innovative JELLA-Konzept hat sich bewährt. Um den Veränderungen der Zielgruppe Rechnung zu tragen, haben wir dennoch unser Angebot kontinuierlich ausdifferenziert und weiterentwickelt. Wir haben frühzeitig auf die psychischen Mehrfachbelastungen der Mädchen konzeptionell reagiert. Sowohl die Suchtproblematik als auch die ursächlichen oder begleitenden psychischen Belastungen werden in der pädagogischen Förderung wie auch in den einzel- und gruppentherapeutischen Angeboten gleichermaßen berücksichtigt. Struktur, Inhalt und methodisches Handeln sind durchgängig traumapädagogisch fundiert.
Der bewusst überschaubare und intensive Betreuungsrahmen mit nur sechs Betreuungsplätzen ermöglicht einen individuellen und flexiblen Hilfe- und Therapieprozess mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen je nach vorrangiger Problemlage und Zielsetzung.
So kann ein Mädchen bspw. an der Suchtedukativen oder der Psychoedukativen Gruppe teilnehmen. Inhaltlich besteht eine große Schnittmenge hinsichtlich der psychischen Stabilisierung und einer Festigung der Drogenabstinenz: Meist sind die notwendigen psychosozialen Ressourcen zur Bewältigung und Beendigung des jeweiligen destruktiven und riskanten Verhaltens noch nicht vorhanden und werden entsprechend umfassend gefördert. Die pädagogische und therapeutische Arbeit mit den Mädchen beinhaltet obligatorisch die Erarbeitung und Erprobung individueller Krisenbewältigungsstrategien u.a. in Bezug auf riskantes Konsumverhalten, Aggressionen oder suizidalen Gedanken.
Das fach- und genderkompetente Team aus Pädagoginnen, Sozialpädagoginnen und Psychologin verfügt über vielfältige therapeutische Qualifikationen, wie Gestalttherapie, systemische Therapie und Traumatherapie. Die ggf. erforderliche psychiatrische und medikamentöse Begleitbehandlung wird durch die langjährige Kooperation mit der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Stuttgart gewährleistet.
Die durchschnittliche Betreuungsdauer bei JELLA ist individuell unterschiedlich und flexibel, je nach Problemlage, Entwicklungsstand und in der Hilfeplanung festgelegten Zielen. Die durchschnittliche Dauer beträgt derzeit zwischen neun und zwölf Monaten.
Für Mädchen, die in ihr bisheriges Umfeld bzw. Jugendhilfesetting zurückkehren können, besteht die Möglichkeit eines Kurzzeitmoduls (i. d. R. 3 Monate) mit dem Ziel einer intensiven Stabilisierung. Die Zielsetzung und -überprüfung erfolgt im Austausch mit der kooperierenden Einrichtung.