Die Fachklinik Wittichen

Veränderungsprozesse im Verhalten Drogenabhängiger zu ermöglichen und die Wege zum Ausstieg aus der Abhängigkeit erleichtern, waren Ziele, die mit der Gründung sechs niedrigschwelliger Einrichtungen zur Drogenentzugsbehandlung 1994 verbunden wurden. In diesem Jahr wurde die - seit 1992 als Modelleinrichtung bestehende - Fachklinik Wittichen zur Erfüllung dieser Aufgabe mit 15 Betten in den Krankenhausbedarfsplan Baden-Württemberg aufgenommen.

Aufgenommen werden Drogenabhängige illegaler Drogen ohne Alterseinschränkung. Zur Aufnahme werden eine ärztliche Einweisung, bei Minderjährigen die Einwilligung eines Erziehungsberechtigten benötigt. Interessenten müssen sich selbst telefonisch bei uns anmelden. Während der Wartezeiten bis zum Aufnahmetermin sind regelmäßige wöchentliche Anrufe Voraussetzung für Aufnahme.

In Wittichen wird nach den Prinzipien des sogenannten kalten Entzugs behandelt. Das heißt, es werden zur Linderung der Enzugssymptomatik diverse Körperbehandlungen angeboten und es stehen immer erfahrene Mitarbeiter zur Verfügung, um Zweifel, Ängste und Sorgen zu erörtern. Unter diesem Behandlungskonzept erübrigt sich in den meisten Fällen die Verabreichung von Medikamenten. Vor der Aufnahme ist es wichtig, Auskunft über den aktuellen Konsum, insbesondere über eine eventuelle Dosierung mit Substituten wie Methadon, Subutex oder verschiedenen Medikamenten, zu geben, um eine Einschätzung über den Entzugsverlauf zu gewinnen.

Die Behandlung dauert in der Regel 14 Tage, mitunter auch bis zu vier Wochen. Zwischen der Fachklinik Wittichen und dem Patienten wird ein Behandlungsvertrag abgeschlossen, in dem sich beide Seiten verpflichten, aktiv an der Behandlung mitzuwirken. Bei Aufnahme wird über die Hausregeln und den Tagesablauf informiert. Zur Aufnahme gehört die ärztliche Untersuchung.

Bei der Entlassung erhält der Patient eine Bescheinigung über den Behandlungsabschluss. Der Hausarzt erhält ebenfalls einen Bericht über die Behandlung. Im Falle einer anschließenden Entwöhnungstherapie sind die Mitarbeiter, sofern noch nicht erfolgt, bei der Beantragung der Kostenübernahme und der Suche anch einem Therapieplatz behilflich.

Fachklinik Wittichen

Vor der Wittichen 137
77773 Schenkenzell

Telefon: 07836 - 7777
Fax: 07836 - 7779

wittichen@bw-lv.de

www.bw-lv.de

 

 

Unser Angebot

Die Entgiftung wird unterstützt durch Einzel- und Gruppengespräche, Beratungsgespräche in sozialen Fragen (Justiz, Schulden etc.), mit Physiotherapie und Freizeitangeboten. Insbesondere physiotherapeutische Behandlungen werden individuell empfohlen. Grundsätzlich erwarten wir eigenes Interesse an der Behandlung, da dies die Wirksamkeit deutlich erhöht.

Die täglichen Gruppengespräche dienen dem Austausch über die Befindlichkeit des Einzelnen. Man kann sich hier über alles und jedes beschweren, rauskriegen, was zum Teufel man hier eigentlich will, an der Tagesplanung teilnehmen, Konfikte mit Einzelnen und innerhalb der Gruppe klären, ausprobieren, was Therapie sein könnte, sich über Erfahrungen anderer informieren und neue Perspektiven entwickeln.

Therapiegruppe. Zweimal wöchentlich wird von unserem Psychiater eine spezifische Therapiegruppe angeboten.

Einzelgespräche können mit allen verfügbaren Mitarbeitern geführt werden, wenn nicht gerade andere Therapieangebote oder Aufgaben dies verhindern. Alle Themen sind möglich.

Es werden täglich Spaziergänge in die unmittelbare Umgebung unternommen, bei der die Belastungsmöglichkeit jedes Einzelnen berücksichtigt wird.

Fango. Wärmebehandlung bei Verspannungen und Kopfschmerz während des Entgiftungsprozesses.

Entspannungsbäder werden zur allgemeinen Entspannung sowie gegen Muskelkrämpfe und Gliederschmerzen eingesetzt. Bestandteile der Bäder sind diverse Krauter wie Lavendel und Baldrian.

Fußreflexzonen-Massage wird zur Behandlung und Beschleunigung von Entzugs-Symptomen eingesetzt. Eine besondere Bedeutung kommt der Reflexzonentherapie in der Entgiftung zu, weil Patienten hier häufig erstmalig erleben, dass Schmerzen nicht bekämpft, sondern verarbeitet und heilend genutzt werden können.

Akupunktur und Moxa. Regelmäßig behandelt werden die Suchtpunkte, Entzugserscheinungen wie Kopfschmerzen, Magen- Darmprobleme, Schlafstörungen. Darüber hinaus hilft die Anwendung bei nervöser Unruhe und diffusen Gliederschmerzen sowie bei Rückenschmerzen. Moxa ist eine Wärmepunktbehandlung.

Leberwickel mit warmem Schafgarbensud, die im Bereich der Leber aufgelegt werden, fördern die Entgiftung.

Therapieplatz-Vermittlung. Informationen über Therapie-Einrichtungen, Anmeldung und Wartezeiten, Erstellung von Sozialberichten und ärztlichen Gutachten, Regelung der Kostenfrage, Kontakt zur Drogenberatung und vieles mehr...

Sozialberatung. Regelung längst fälliger Angelegenheiten: Justiz, Arbeitsamt, Arbeitgeber, Vermieter, Schulden, Sozialaml, Krankenkasse usw.

Beschäftigungstherapie. Bei der Versorgung in Küche und Haus werden Patienten, soweit es ihre Belastbarkeit zulässt, mit einbezogen. Dies hilft oft, aus einem einseitigen Gedankenkreislauf auszusteigen und wieder produktiv zu sein. Wer etwas machen kann und will, wird nach den Möglichkeiten des Hauses entsprechende Aufgaben bekommen.

Ihre Ansprechpartner in der Fachklinik Wittichen

Prof. Dr. Hartmut Schneider <p>Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt für Psychotherapeutische Medizin <p> Medizinischer Leiter

Prof. Dr. Hartmut Schneider

Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt für Psychotherapeutische Medizin

Medizinischer Leiter

Dr. Frank Hamann

Klinikarzt

Facharzt für Allgemeinmedizin

Dipl. Psych. Evelyn Pikal <p>Therapeutische Leitung

Dipl. Psych. Evelyn Pikal

Therapeutische Leitung

Johannes Steinhilber
Qualitätsbeauftragter




Anfahrt und Anreise für Patienten

Um den geschützten Rahmen unseres Hauses zu bewahren, darf unser Haus von Patienten nicht direkt angefahren werden.

Am einfachsten gestaltet sich die Anfahrt mit der Bahn nach Schenkenzell. Von dort holen wir dann unsere Patienten ab.

Mit der Bahn von Stuttgart über Eutingen i.G., Freudenstadt bis Schenkenzell

Von Karlsruhe oder Freiburg über Offenburg, Hausach bis Schenkenzell.

Für Patienten, die mit dem eigenen PKW anreisen wollen, ist der Treffpunkt ebenfalls der Bahnhof in Schenkenzell.


Aufnahme

Unsere Aufnahme erreichen sie von Montag bis Freitag 8 - 16h telefonisch unter der Durchwahl: 07836 - 7777


Leitbild der Fachklinik Wittichen

1. Der Auftrag

Die (Psychiatrische) Fachklinik Wittichen nimmt seit 1991 drogenabhängige Menschen zur freiwilligen Entzugsbehandlung auf. Der Zugang zur Entgiftung ist niederschwellig – entsprechend der Rahmenkonzeption des Landes Baden-Württemberg von 1993.

Wir, die Mitarbeiter, begrüßen unseren Klinik-Gast und seine Bereitschaft zur Abstinenz. Wir bemühen uns, den Entzug qualifiziert und zügig zu behandeln und mit dem Patienten das Gespräch über einen Neuanfang zu beginnen. In der persönlichen Begegnung fördern wir die Motivation zum konsequenten Drogenverzicht und den Mut zur Nüchternheit und zum nüchternen Blick auf die Lebenswirklichkeit.

 

 

2. Das Team

Das Team ging ursprünglich von der Idee der Therapeutischen Gemeinschaft aus. In der Klinik halten wir an einer flachen Hierarchie fest. Die therapeutischen Berufsgruppen – Krankenschwestern, Drogenerfahrene, Erzieher, Sozialarbeiter, Ärzte – sehen ihre zentrale Aufgabe zunächst in der Entgiftung und in der Verhinderung von Komplikationen. Die Klinikatmosphäre wird aber auch wesentlich von den anderen Berufsbildern – Hauswirtschaft, Hausmeister, Fahrdienst, Reinigungsdienst, Praktikanten – mitbestimmt. Die Gestaltung des Klinik-Alltags ist also Aufgabe aller Mitarbeiter und Grundlage des therapeutischen Milieus, das der Patient braucht.

Fort- und Weiterbildung, Training in Gesprächsführung und Gruppendynamik sind für alle Mitarbeiter verpflichtend und fließen in den therapeutischen Alltag ein.

 

 

3. Der therapeutische Alltag

In Wittichen wird seit jeher nach dem Grundsatz „Kalter Entzug in warmer Umgebung“ behandelt. Wir muten unseren Patienten den körperlichen Entzug ohne Substitution und ohne psychotrope Substanzen zu. Dafür begleiten wir ihn mit persönlicher Zuwendung und mit Gesprächsangeboten. Der Suchtdruck und die Forderung nach Medikamenten nehmen in dem Maß ab, in dem Spaziergänge, Sport, Beschäftigung und Mitarbeit den Tagesablauf strukturieren. Dazu gehören auch die gemeinsamen Mahlzeiten, Grillfeste, Kino- und Schwimmbadbesuche. Limitiert bleiben Radio, Fernsehen und Telefon.

All das ermöglicht dem Patienten, sein durch Drogen bestimmtes Leben zu relativieren und seine Beziehungsmuster draußen zu überdenken.

 

 

4. Die therapeutische Begleitung

In den ersten Tagen des körperlichen Entzugs zielt unsere Begleitung auf die Bewältigung der Entzugsschmerzen und des Suchtdrucks. Während der Ausnüchterung sind auch die Abkehr vom „Scene-Verhalten“, die Verbesserung der Affektkontrolle und die Verhinderung des autistischen Rückzugs wichtige Schritte, die die Wiedergewinnung von Selbstwahrnehmung und Selbstachtung ermöglichen.

In der 2. Phase werden in den Einzelgesprächen und in den täglich stattfindenden therapeutischen Gruppen Lebensgeschichte, Herkunft-Familie, Konflikte, Traumatisierungen u.a. thematisiert, soweit das der Patient zulassen kann. Komorbide psychische Störungen, Teilleistungsstörungen und Risikofaktoren werden sorgfältig erfasst. So versuchen wir, der Einzigartigkeit jedes unserer Klinikgäste gerecht zu werden, um den Weg in die Rehabilitation zu bahnen.

 

 

5. Die klinische Behandlung und die wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Der hohe personelle Einsatz der Therapeuten und der übrigen Mitarbeiter ist die wesendliche Voraussetzung für eine zeitlich befristete Behandlung. Obwohl in dieser Hinsicht nicht gespart werden darf, ist die ökonomische und wirtschaftlich effiziente Führung der Klink ein zentrales Anliegen aller Mitarbeiter.

 

6. Die Brückenfunktion

Unsere Arbeit hat die Funktion einer Überbrückungsmaßnahme. Die existentielle Krise, in der der Patient zu uns kommt, und die körperliche und seelische Krise im aktuellen Entzug sind hoffentlich der Anlass für einen Neuanfang. Der therapeutisch begleitete Entzug soll überleiten in einen längeren Heilungsprozess. Abbrüche, auch disziplinarische Entlassungen sind oft retardierende Momente auf diesem Weg. Dass Patienten wiederkommen und erneut ihr Vertrauen auf Wittichen setzen, bestätigt unsere geduldigen Bemühungen um einen qualifizierten Entzug als Voraussetzung für eine suchtspezifische Psychotherapie.

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